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THEMA: HD-Röntgen bald nicht mehr notwendig?

HD-Röntgen bald nicht mehr notwendig? 9 Jahre 10 Monate her #540

  • Swyna
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Hallo,

mit Erlaubnis von Reinhold Eysel stelle ich seinen folgenden Beitrag zum Vortrag von Prof. Distl ein, kopiert aus dem Herderforum ein (mit freundlicher Genehmigung, siehe unten). Hat davon schon jemand gehört?? Wenn das im SV so gefördert wurde, dann muß das doch schon die Runde gemacht haben - oder?


„Genomische Selektion in der Hundezucht“ Prof. Distl, TiHo Hannover

VDH Veranstaltung für die 150 angeschlossenen Zuchtverbände am Samstag,
den 14.6.2008 in Dortmund

40 Teilnehmer von ca. 20 versch. Rassehundevereinen.
Vom RZV, HZD und HC war nur ich als einfaches Vereinsmitglied anwesend.

Ich versuche einmal, mit möglichst wenig Fachchinesisch Inhalt, Ergebnisse und vor allem die Konsequenz dessen, was teilweise geballt wissenschaftlich vorgetragen wurde zusammenzufassen:

Im ersten Vortrag von Prof. Distl ging es erst einmal um den neuen HD-Test beim Schäferhund. Er beschrieb die Entwicklung des Testverfahrens. Das von Ihm entwickelte völlig neue statistische Verfahren ermöglicht, aus der rund einer Million bekannter sogenannter SNPS ( deren einzelne Funktion man nicht einmal kennen muss ) genau diejenigen 17 heraus zu filtern, die für HD verantwortlich sind. Der prozentuale Wirkungs-Anteil jedes einzelnen SNPS an der Gesamtwirkung wurde ermittelt, ist nun bekannt. Die Gesamtwirkung der SNPS ergibt sich streng additiv aus den Einzelwirkungen.

Das Verfahren wurde in einem weiteren Schritt eingehend auf seine Gültigkeit und Aussagekraft ( Validität u. Signifikanz ) überprüft indem man die Blutproben „unbekannter“ Hunde testete und das Ergebnis mit deren tatsächlichen Diagnosen (und dem nach alter Methode ermittelten Zuchtwert ) abglich.
Es stellte sich heraus, dass die neue Methode 1.) richtige Voraussagen macht und 2.) die Prognose um ca. den Faktor 10 „besser“ ist, als nach der bisherigen altbekannten Zuchtwert-Abschätzung für dieses Merkmal. Außerdem konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass die Genetik ganz wesentlich bedeutsamer für die Entstehung von HD ist als das „Erwerben“duch Haltungsfehler etc. Sehr viel zuverlässiger als bisher kann man nun errechnen ( nicht nur schätzen), wie hoch die Wahrscheinlichkeit auf HD für die Gesamtheit eines Wurfs sein wird. Das Risiko jedes einzelnen Welpen kann man sofort nach Geburt per Test feststellen.

Im zweiten Vortrag wurde die universelle Anwendbarkeit der neu entwickelten Methodik erklärt: Genauer betrachtet die eigentliche Sensation:

Die entwickelte Methodik erlaubt nicht nur eine zehnmal verlässlichere Voraussage über die Wahrscheinlichkeit von HD, sondern ermöglicht
Voraussagen über jedes beliebige andere eindeutig definierbare Merkmal.
( Krankheiten ebenso, wie erwünschte Merkmale )

Prof. Distl und seine Mitarbeiterinnen (Dr. Yvonne Marschall u. Dr. Kathrin Frederike Stock) haben eine Methode entwickelt, die es ermöglicht die Zuchtauswahl
für jedes einzelne Merkmal
für jede Rasse
wesentlich zu verbessern, weil mit der „genomischen Methode der Zuchtwertschäzung“ die Qualität der Zuchtwertschätzung in ihrer Zuverlässigkeit um ca. den Faktor 10 verbessert wird. Nach der neuen Methode demnach
1.unerwünschte Eigenschaften ( Krankheiten) weit besser als bisher zurückgedrängt,
2.erwünschte Eigenschaften weit besser als bisher gefördert werden können.


Für das Merkmal HD und für den Deutschen Schäferhund ist das Verfahren schon durchgeführt. Ein Gen-Chip der die Tests – vom praktischen Ablauf her - deutlich vereinfacht und verbilligt ist in Arbeit und wird vermutlich im September präsentiert werden. Sodass man beim DSH und für HD in Zukunft gesicherte Wahrscheinlichkeiten für jeden einzelnen Hund und jede Verpaarung ermitteln kann.

Wo ist nun der „Haken“ an der Sache?

Die Methodik ist fertig entwickelt, „steht“, muss allerdings, um für die jeweilige Rasse und das entsprechende Merkmal die jeweils „richtigen SNPS“ zu finden
1.für jede Rasse
2.für jedes Merkmal noch einmal durchlaufen werden.

Das macht pro Rasse und pro Merkmal eine gewisse „Anfangsinvestition“ nötig um die geeigneten SNPs für jede Rasse und jedes Mermal zu finden.
Danach ist es dann sehr leicht, schnell und billig möglich für das entsprechende Merkmal und die jeweilige Rasse eine 10 mal zuverlässigere Aussage über das Auftreten des Merkmals zu machen als bisher.
Prof. Distl machte darauf aufmerksam, dass es sehr kostensparend ist, wenn 4-8 möglichst einander nahe stehende Rassen gemeinsam den Auftrag geben, die SNPs für ein bestimmtes Merkmal zu finden. Je weiter der Prozess fortschreitet, desto einfacher und damit billiger wird es dann für immer mehr Merkmale und immer mehr Rassen auch qualitativ noch einmal verbesserte Voraussagen zu machen.
Zur HD gilt es noch zu erwähnen, dass flächendeckendes HD-Röntgen in der Zukunft überflüssig wird, sobald die Methode für die entsprechende Rasse eingeführt ist. Zur weiteren Präzisierung der Methode sind lediglich sehr wenige, gelegentliche Röntgenaufnahmen sinnvoll.

Das „geniale“ der Methodik besteht darin, dass OHNE jede Kenntnis der Funktion einzelner genetischer Codes, durch geschickte Kombination genetischer und statistischer Methoden eine präzise Angabe der Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Merkmals möglich wird.

Für dieses Verfahren erhielten Prof. Distl und seine Mitarbeiterinnen von der internationalen Forschergemeinde höchste Anerkennung.

An den Zuchtverbänden der Rassen liegt es nun, auch wirklich durch das große Tor zu gehen, dass Prof. Distl und seine Mitarbeiterinnen aufgestoßen haben.

Dem SH-Verein zolle ich höchste Anerkennung dafür, dass es diese Pionierarbeit erst möglich gemacht hat. Alle Rassen können gewaltig davon profitieren.

Reinhold Eysel

Wenn ihr diese Zusammenfassung für nützlich haltet, im Sinne der Gesundheit unserer Hundis würde es mich FREUEN, wenn ihr diesen Beitrag möglichst oft verlinkt, kopiert, vervielfältigt, wie und wo auch immer und erlaube dies ausdrücklich hiermit.



Erklärung:
Mit SNP (englisch: Single - einzeln, Nucleotid - Nukleotid, Polymorphism - Polymorphismus; sprich: Snip) werden Variationen von einzelnen Basenpaaren in einem DNA-Strang bezeichnet.
Ein Merkmal ist ein mit dem bloßen Auge oder mikroskopisch eindeutig als vorhanden oder nicht vorhanden beschreibbare Eigenschaft eines Individuums. ( Beispiel: HD, Lebershunt, oder Deg. Myelopathie, usw. usw. oder eben auch ERWÜNSCHTE Eigenschaften)

Liebe Grüße
Swyna
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